Ausstellungsarchiv  

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Ausstellungen 2012/13: "Augusteum 1-2-3"

Augusteum 1-2-3

Das Hauptgebäude der Universität im Spiegel der Zeiten

Zum Wintersemester 2012/13 beginnt der Studienbetrieb im neuen Hauptgebäude der Universität am Augustusplatz. Mit seiner Fassade und den baulichen Strukturen des Foyers erinnert der Neubau des niederländischen Stararchitekten Erik van Egeraat an die im 19. Jahrhundert errichteten und 1968 zerstörten Vorgängerbauten. Die erste Ausstellung in der neuen Galerie der Kustodie will ein Bewusstsein für die Architektur des Neubaus schaffen und das Konzept der dort integrierten Kunstwerke aus 600 Jahren Universitätsgeschichte erläutern. Sie bildet den Auftakt einer Reihe, die sich der Baugeschichte der Universität und ihrer Institute widmet. Die Geschichte der Universitätskirche St. Pauli wird daher nur im Kontext mit den Universitätsgebäuden eine Rolle spielen. Sie soll mit einer separaten Ausstellung anlässlich der Eröffnung des Paulinums gewürdigt werden.

Mit Bezug auf die Baugeschichte wird das neue Hauptgebäude der Universität "Neues Augusteum" genannt. Der Stararchitekt Erick von Egeraat reflektierte bei seinem Entwurf die Vorgängerbauten des 19. Jahrhunderts. Zitate bei der Innen- und Außengestaltung des Neubaus setzen sichtbare Zeichen der Erinnerung. Die Silhouette der Paulinerkirche greift er als architektonisches Leitmotiv für die neue Aula auf, bei der Form des Hauptgebäudes erinnert der angedeutete Giebel an den klassizistischen Giebel bzw. Portikus des "alten Augusteums". Mit seinem von den historischen Bauten inspirierten Neubau möchte der Architekt die "Schönheit der Vergangenheit" zurückbringen, "ohne diese zu rekonstruieren". Die Vorhangfassaden aus Serpentinit, Muschelkalk und Kalkstein sind von Werken Lionel Feiningers inspiriert. Im Inneren bilden Relikte der Vergangenheit mit Elementen moderner zeitgenössicher Architektur eine gelungene Einheit.

Die Klostergebäude kurz vor dem Abriss

Der Campus am Augustusplatz wird bis heute von der Grundstruktur des Paulinerkollegs geprägt. Dieses entstand aus den Bauten des im 13. Jh. gegründeten Dominikanerklosters St. Paul, das nach der Reformation 1543 den Besitz der Universität überging und in den Folgejahren unter Caspar Borner für den Lehrbetrieb eingerichtet wurde. Die ehemaligen Klosterbauten wichen nach vielfältigen Umbauversuchen im Verlauf des 19. Jahrhunderts modernen Auditorien- und Verwaltungsgebäuden von zunehmend repräsentativem Charakter.

Ab 1830 wurde die Universität Leipzig in eine moderne Landesuniversität umgestaltet. Als erstes staatlich finanziertes Gebäude entstand zwischen 1830 und 1836 auf dem Areal der beiden Zwingerhäuser ein neues Universitätshauptgebäude mit zweigeschossiger Aula, Auditorien, Bibliotheken und Sammlungsräumen. Es wurde im klassizistischen Stil von dem Universitätsbaumeister Albert Geutebrück (1801-1868) nach einem Fassadenentwurf von Karl Friedrich Schinkel erbaut. Das Bauwerk sollte zugleich ein "lebendiges Denkmal" für den 1827 verstorbenen sächsischen König Friedrich August I. sein und wurde ihm zu Ehren "Augusteum" genannt. Der bauplastisch von Ernst Rietschel ausgestattete Bau (Giebelrelief, Eingangsportal, Reliefzyklus der Aula und Gipsmodelle für das Denkmal für Friedrich August I.) war das erste repräsentative Gebäude, das mit seiner Schauseite mit klassizistischem Giebel und Eingangsportal das Bild des Augustusplatzes entscheidend prägte.

Das Augusteum um 1900, nach dem Umbau durch A. Roßbach

Nach Plänen des Architekten Arwed Rossbach (1844-1902) entstand zwischen 1892 und 1897 - nach Abbruch der letzten spätmittelalterlichen Bausubstanz - der gesamte Komplex der Universität auf dem Gelände des ehemaligen Paulinerklosters neu. Das Augusteum wurde zum repräsentativsten Universitätsgebäude Deutschlands umgebaut. Das Augusteum erfuhr in westlicher Richtung eine Erweiterung durch Flügelbauten (Johanneum, Albertinum, Paulinum), die eine große Wandelhalle umschlossen. Anstelle des Gewändeportals trat ein Portikus mit Karyatiden, und das Schinkel-Portal wurde zur freistehenden dreizügigen Toranlage erweitert. Das alte klassizistische Gebäude Geutebrücks wird zu einem "Tempel der Wissenschaft" im historistischen Stil auch nach außen hin repräsentativ umgestaltet. In der Giebelgestalt und in der Integration des historischen Bauschmucks bewahrte es als "zweites Augusteum" die Traditionen.

Die Ausstellung gibt außerdem Aufschluss über das Kunstkonzept für den Neubau und die voranschreitende Ausstattung des Neuen Augusteums mit Kunstwerken aus seinen Vorgängerbauten. Einige erhaltene Werke der historischen Ausstattung beider Augusteumsbauten sind bereits aufgestellt, wie die Regententugenden des später berühmten Bildhauers Ernst Rietschel (1804-1861) vor der Obergeschossbrüstung im Foyer des Neuen Augusteums und das von ihm nach dem Entwurf von Karl-Friedrich Schinkel ausgeführte Eingangsportal auf der Hofseite.Mittelalterliche Fresken und die Reihe der Epitaphien im Gang neben der Paulineraula erinnern an das Paulinerkolleg, das Leibniz-Denkmal auf dem neuen Campushof an den späteren, bis 1968 bestehenden Paulinerhof.

Mit der Dokumentation der universitären Baugeschichte knüpft die Kustodie an ihre vielbeachteten Ausstellungen der 1990er Jahre an: "Werden und Wandel eines großen europäischen Platzes (Augustusplatz) (1993), "... ein Stein des Anstoßes und ein Fels des Ärgernisses", zum Gedenken an die Sprengung der Univ.-Kirche St. Pauli (1993) und "30 Jahre danach - zur Vernichtung der Universitätsbauten am Augustus-/Karl-Marx-Platz 1986" (1998).

Augusteum 1-2-3. Das Hauptgebäude der Universität im Spiegel der Zeiten

Erste Ausstellung der Kustodie in der Galerie im Neuen Augusteum 

Augustusplatz 10 · 04109 Leipzig
19. Oktober bis 21. Dezember 2012 und 3. bis 31. Januar 2013
Vernissage: 18. Oktober 2012, 18.00 Uhr

Öffnungszeiten:
Mo - Fr 11-18 Uhr, Mittwoch Abendöffnung bis 19 Uhr
Sonnabend, Sonntag und an Feiertagen geschlossen


letzte Änderung: 28.09.2016 

Kontakt

Galerie im Neuen Augusteum
Augustusplatz 10
04109 Leipzig

Telefon +49 341 97-30170
Telefax +49 341-97 30179
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