Ausstellungsarchiv  

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Ausstellung 2014/2015: Freund und Kupferstecher

FREUND UND KUPFERSTECHER

Johann Friedrich Bause (1738–1814) – Leipziger Porträtstecher und Akademielehrer im Dienst der Aufklärung

Eine Ausstellung der Kustodie der Universität Leipzig in Zusammenarbeit mit der Graphischen Sammlung des Fachs Kunstgeschichte der Universität Trier aus Anlass des 200. Todestages von Johann Friedrich Bause

24. Oktober – 19. Dezember 2014 und 5.-17. Januar 2015

Der aus Halle (Saale) stammende Johann Friedrich Bause (1738–1814) galt als einer der besten Kupferstecher seiner Zeit. Während er zu Lebzeiten große Wertschätzung erfuhr, ist er heute fast in Vergessenheit geraten. Anlässlich seines 200. Todestages soll eine erstmals diesem Künstler gewidmete Ausstellung sein Œuvre wieder in Erinnerung rufen. Die gemeinsam mit der Universität Trier erarbeitete Schau thematisiert Bauses Künstlerfreundschaft mit dem Porträtmaler Anton Graff (1736–1813), künstlerische Inspirationen wie den französischen Bildnisstich, den Leipziger Verleger Philipp Erasmus Reich als Drehscheibe eines Netzwerks von Aufklärern und schließlich die Rezeption von Bauses Kunst im 18. Jahrhundert. 

Netzwerke der Freundschaft

Als Vorlage für Johann Friedrich Bauses Porträtstiche dienten in erster Linie Gemälde Anton Graffs. Die beiden Künstler hatten sich in jungen Jahren 1759 in Augsburg kennen gelernt, zu dieser Zeit das europaweite Zentrum für Graphik. Der zunächst nur autodidaktisch gebildete Bause absolvierte hier eine Lehre bei dem Radierer und Verleger Johann Jakob Haid (1704–1767), während der schon ausgebildete, aus Winterthur in der Schweiz stammende Maler Graff über Haid an Porträtaufträge zu gelangen hoffte. Die Begegnung begründete eine lebenslange, auch künstlerisch produktive Freundschaft, von der beide profitierten.

Anton Graff, Der Verleger P. E. Reich, 1771/72

In den 1760er Jahren hatten sich beide in Sachsen angesiedelt, Graff als Hofmaler in Dresden, Bause als Kupferstecher in Leipzig. Bause war es wohl, der Graff seinem wichtigsten privaten Auftraggeber vorstellte, dem einflussreichen Verleger Philipp Erasmus Reich (1717–1787), Geschäftsführer der Weidmannschen Buchhandlung. Angeregt durch Gleim in Halberstadt legte er ab 1769 eine „Freundschaftsgalerie“ seiner geistigen Weggefährten an. Den Großteil der Gemälde gab er bei Anton Graff in Auftrag, der neben seinen Aufgaben als Dresdener Hofmaler gern auch für das Leipziger Bürgertum tätig war. Zu den Dargestellten zählen neben Reich, Bause und Graff bekannte Autoren wie Christian Fürchtegott Gellert (1715–1769), Moses Mendelssohn (1729–1786) oder Christian Felix Weiße (1726–1804), aber auch Künstler, Musiker und Politiker. Verbreitung fanden die Bildnisse nicht nur über zahlreiche Kopien, sondern insbesondere über die davon abgeleiteten Kupferstiche. Bause übertrug mindestens 45 Bildnisse Graffs in den Kupferstich, die er allerdings mit ovalen fiktiven Steinrahmen und Bezeichnungen versah. Die qualitätvollen Ölgemälde waren würdige Vorlagen und wurden von Bause nicht minder hochwertig reproduziert. So trugen die Stiche wechselseitig zur Bekanntheit beider bei und befeuerten die Nachfrage nach Gemälden und Stichen gleichermassen.

Der Porträtstich im Zeitalter der Aufklärung

Die Aufklärung ging auch mit einem Wandel der Porträtauffassung einher: Hatte beim barocken Bildnis die Repräsentation des gesellschaftlichen Standes im Vordergrund gestanden, sollte das Porträt nun vorranging Charakter, Tugend und Leistungen eines Individuums aufzeigen, wie insbesondere Johann Georg Sulzer (1720-1779), Graffs Schwiegervater, theoretisch postulierte. Entsprechend traten Staffage, Attribute und symbolisches Beiwerk in ihrer Bedeutung zurück oder wurden ganz weggelassen. Als „Maler der Seele und des Geistes“ vermochte Graff es wie kein zweiter, den Charakter des Dargestellten einzufangen, so dass er bald als einer der bedeutendsten Porträtmaler seiner Zeit galt. Die besondere Qualität dieser Bildnisse scheint auch in Bauses Stichen auf. Verschiedentlich dienten Bause auch Gemälde von Adam Friedrich Oeser (1717–1799), Johann Heinrich Tischbein d. Ä. (1722–1789) und anderen als Vorlagen.

Bause, Kolorierter Kupferstich des sächsischen Königs Friedrich August, 1769

Die Wurzeln des Bildnisstichs liegen im Herrscherbildnis und insbesondere im Gelehrtenbildnis, die zu Lebzeiten oder als posthumer Gedenkstich erschienen. Spätestens seit dem 16. Jahrhundert sammelten interessierte Kreise graphische Porträtdarstellungen berühmter Männer. Die Aufklärung beförderte die Entstehung einer kunst- und literaturinteressierten Öffentlichkeit und damit stieg zugleich der Bedarf an Bildnissen der Protagonisten. In diesem Zusammenhang vergrösserten sich das Format, die graphische Qualität der Stiche sowie der Interessentenkreis, der neben dem Adel immer weitere Teile des Bürgertums erfasste. Der aufkommende Freundschaftskult tat ein Übriges, um den Bedarf zu stimulieren. Während das Gemälde meist ein Unikat war, ließ sich der Kupferstich beliebig reproduzieren und verbreiten. Angesichts der hohen Nachfrage nach Bildnissen gründete Johann Friedrich Bause einen eigenen Verlag, über den er beispielsweise die  Porträtserie „Folge der Gelehrten“ vertrieb.

Im Zeitalter der Aufklärung erfuhr der Kupferstich eine Aufwertung. Der Reproduktionsstecher wurde nicht mehr nur als Erzeuger eines handwerklichen Massenprodukts, sondern als Künstlerpersönlichkeit betrachtet. Oft modifizierte Bause die Vorlage, indem er durch die Hervorhebung von Details, die Änderung des Bildausschnitts oder Lichteinfalls eigene Akzente setzte. Seine Kupferstiche waren begehrte Sammelobjekte und fanden Eingang in die im 18. Jahrhundert entstehenden Kunstsammlungen und graphischen Kabinette. Der Bankier und Großhändler Gottfried Winkler (1731–1795) besaß mit ca. 1300 Gemälden, 80.000 Kupferstichen, Zeichnungen und einer großen Bibliothek eine der berühmtesten Sammlungen Leipzigs. Für den Sammlungskatalog fertigte Bause einen Verzierungsstich an.

Unbekannter Stecher, ... Buchhändler-Messe, 1801

Kupferstiche für den Leipziger Buchhandel

Im 18. Jahrhundert las eine zunehmend literarisch interessierte Öffentlichkeit die immer zahlreicher erscheinenden Bücher und Publikumszeitschriften. Buchhandel und Verlage erlebten eine Blütezeit. Die Nachfrage nach Illustrationen in Form von Vignetten oder Frontispizen stieg enorm und entsprechend gefragt waren die Kupferstecher. Leipzig stand mit der Zahl seiner Verlage, Druckpressen und herausgegebenen Büchern an der Spitze aller Verlagsorte in Deutschland. Einer der einflussreichsten Buchhändler war Philipp Erasmus Reich, der sich die Reform des Buchhandels auf die Fahnen geschrieben hatte. An der Stärkung Leipzigs als Buchmessestandort gegenüber Frankfurt, der Einführung der Barzahlung im Warenverkehr und der Gründung der Deutschen Buchhandlungsgesellschaft (1765) hatte er maßgeblichen Anteil. Die von Reich geführte Weidmannsche Buchhandlung hatte die höchsten Auflagen aller Literaturbetriebe und ließ zur Verschönerung seiner Bücher 3500 Kupferstiche produzieren. Auch Johann Friedrich Bause fertigte entsprechende Verzierungskupfer an.

Die Kunstakademie

In engstem Zusammenhang mit dem Buchhandel steht auch die Förderung des Mediums Kupferstich an der Leipziger Kunstakademie. Durch ein kurfürstliches Dekret waren 1764 in Dresden, Meissen und Leipzig Akademien gegründet worden. Alle drei unterstanden dem Generaldirektor Christian Ludwig von Hagedorn (1712–1780), die Leitung der „Leipziger Zeichnungs-, Mahlerey- und Architektur -Academie“ hatte der Maler Adam Friedrich Oeser inne. Dieser berief Bause 1766 als Lehrer an die Akademie, 1805 ernannte man ihn zum Professor für Kupferstichkunst. Die Buchillustration bildete einen besonderen Schwerpunkt der Akademie. Neben Druckgrafik und Zeichenkunst wurden außerdem die Fächer Architektur, Bildhauerei und Plastik gelehrt. Zu den Lehrern zählten ferner der Kupferstecher Christian Gottlieb Geyser (1742-1803) und kurzzeitig der Landschaftsmaler Johann Christian Reinhart (1761-1847). Schnell entwickelte die neue Kunstakademie große ökonomische Bedeutung, zur Förderung der Industrie wurde sie Ausbildungsstätte für Handwerksgesellen und Lehrlinge. Auch Angehörigen der Universität sowie bildungsbürgerlichen Schichten stand die Akademie offen. Oesers wohl berühmtester Zeichenschüler war der junge Johann Wolfgang Goethe. Bause soll dem Dichter während seiner Leipziger Studienjahre Unterricht in der Radierung erteilt haben.

Baldwin Zettl, Das Lehrblatt, 1976, copyright:Baldwin Zettl

BEGLEITPROGRAMM

FÜHRUNGEN DURCH DIE AUSSTELLUNG IM NEUEN AUGUSTEUM

jeden Mittwoch 15 Uhr, Donnerstag 6. und 20. November sowie 15. Januar 16.30 Uhr und an folgenden Sonnabenden: 15. November, 10. Januar jeweils 11 Uhr

MUSEUMSPÄDAGOGISCHES ANGEBOT
in Kooperation mit dem Museum für Druckkunst Leipzig
(es wird um Anmeldung über die Kustodie gebeten) 

Die folgenden Veranstaltungen finden im Museum für Druckkunst statt:
Nonnenstraße 38, 04229 Leipzig

27. Oktober 2014, 10–12 Uhr, Ferienkurs „Zeichnen mit der Nadel“
Originaldrucke in der Tiefdrucktechnik (Kaltnadelradierung) erstellen
Bildideen werden mit einer Nadel in Metall geritzt und anschließend in bunten Farben auf Papier gedruckt.
Alter: 7–16 Jahre, Kosten: 5 EUR pro Kind, mit Ferienpass 4 EUR pro Kind

5. November 2014, 18–20 Uhr, Vortrag
„Bause in Leipzig“, Prof. Dr. Rudolf Hiller von Gaertringen
im Anschluss Vorführung der Tiefdrucktechnik an einer historischen Presse
Eintritt frei 

23. November 2014 und 11. Januar 2015, 12–14 Uhr
Kinderworkshop am Sonntag „Zeichnen mit der Nadel“

Originaldrucke in der Tiefdrucktechnik (Kaltnadelradierung) erstellen
Nach einer kurzen Einführung in Tiefdrucktechnik werden die eigenen Bildideen in Metallplatten geritzt und an einer historischen Druckerpresse gedruckt.
Alter: 7–16 Jahre, Kosten: 7 EUR pro Person

Kombiniertes Angebot für Schulen: 

Führung durch die Ausstellung „Freund und Kupferstecher“ in der Galerie im Neuen Augusteum und praktisches Arbeiten im Museum für Druckkunst, (Termine nach Vereinbarung während der Öffnungszeiten der Ausstellung und des Museums)
Radierwerkstatt „Zeichnen mit der Nadel“
Anmeldung über die Kustodie
Originaldrucke in der Tiefdrucktechnik (Kaltnadelradierung) erstellen
Unter Anleitung einer Leipziger Künstlerin erproben die Teilnehmer die Technik der Kaltnadelradierung und erstellen eine eigene Druckgrafik. Zum Einsatz kommen originale Werkzeuge wie Radiernadeln, Metallplatten und eine historische Druckerpresse. Druckgrafiken und Druckplatte können mit nach Hause genommen werden.
Geeignet für Grundschule, Mittelschule, Gymnasium und Berufsschule
Kosten: 5 EUR pro Schüler (inkl. Material) zzgl. 30 EUR Honorar für externe Künstlerin


letzte Änderung: 29.10.2015 

Kontakt

Galerie im Neuen Augusteum
Augustusplatz 10
04109 Leipzig

Telefon +49 341 97-30170
Telefax +49 341-97 30179
E-Mail

barrierefrei zugänglich

Öffnungszeiten:
Dienstag - Freitag 11–18 Uhr,
Mittwoch bis 20 Uhr,
Samstag 11–14 Uhr
Montag, Sonntag und an Feiertagen geschlossen

Eintrittspreise:
Studenten und Mitarbeiter der Universität Eintritt frei
Gäste 2,50 EUR
Ermäßigt 1,50 EUR

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