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Ausstellungen 2019

Künstlerreisen in der DDR - Hinter dem Eisernen Vorhang

Ausstellung der Kustodie der Universität Leipzig

12. April bis 13. Juli 2019, Galerie im Neuen Augusteum

Studienreisen waren für Künstler seit Jahrhunderten Teil der Ausbildung und wichtige Inspirationsquelle. Selbst die DDR bemühte sich hier um Internationalität, wobei solche Auslandsaufenthalte im Rahmen eingeschränkter Reisefreiheit meist in „sozialistische Bruderländer“ wie Polen, Ungarn, Bulgarien, Tschechien oder die Sowjetunion und nur selten in „den Westen“ führten. Die Ausstellung beleuchtet diese Künstlerreisen anhand von Gemälden, Zeichnungen und Grafiken aus den Jahren 1960 bis 1980 in der Kunstsammlung der Universität Leipzig.

Das Phänomen dieser Künstlerreisen ist schlecht dokumentiert und wenig erforscht. Die Auswahl der Künstler und die Etablierung der Kontakte oblag dem Verband Bildender Künstler. Wer wohin reisen durfte, war unter den Bedingungen der DDR naturgemäß ein Politikum, das sich oft – wenn überhaupt – nur in groben Zügen rekonstruieren lässt. Interessant ist natürlich auch die Frage, wie sich die Künstler mit den Reiseeindrücken auseinandersetzten, was sie auswählten – und was nicht, und wie sie es darstellten. Jenseits der spezifischen Aspekte werfen die Werke auch die überzeitliche Frage der Auseinandersetzung mit dem Fremden auf.

Hans Schulze, Tirnovo, 1961

Die Kunst in der DDR hatte primär kulturpädagogische Aufgaben beim Aufbau der sozialistischen Gesellschaft zu verfolgen. Die vom Künstlerverband zentral organisierten Künstlerreisen dienten weniger der künstlerischen Bildung als der bekenntnishaften Völkerverständigung bzw. der Vermittlung eines sozialistischen Gemeinschaftsgefühls und wurden folgerichtig in die Sowjetunion und andere sozialistische Länder sowie, hauptsächlich in den frühen 1960iger Jahren, nach China und die jungen Nationalstaaten Asiens und Vorderasiens gelenkt.

Die meisten Bilder dieser Ausstellung entstanden ab ca. 1970 als staatliche Auftragswerke mit Werkverträgen der Abteilung Kultur beim Rat des Bezirkes Leipzig. Sie waren „zur Nutzung durch die Karl-Marx-Universität“ beziehungsweise zur zeitgenössischen Ergänzung ihrer historisch gewachsenen Kunstsammlung bestimmt. Die Kunstwerke fügen sich ein in das Ausstattungskonzept für die am damaligen Karl-Marx-Platz errichteten Neubauten der Universität, die zwischen 1968 und 1973 anstelle der in einer Demonstration politischer Macht gesprengten historischen Universitätsbauten entstanden. Andere Objekte entstammen der Kunstsammlung der DHfK, Künstlernachlässen und Schenkungen.

Als Zeugnisse eines wenig bekannten Kapitels der DDR-Kulturpolitik gilt es, diese Werke dreißig Jahre nach der politischen Wende neu in den Blick zu nehmen und auf Qualität, Entstehungsgeschichte und ideologischen Gehalt hin zu befragen.


letzte Änderung: 01.08.2019 
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