Die Kustodie Geschichte  

Die Kustodie
Geschichte

Von der Insignienverwahrung zur institutionellen Kunstverwaltung

Die Kunstsammlung der Universität Leipzig ist ein historisch gewachsener Besitz, dessen erworbene Objekte erst nachträglich als Sammlung definiert wurden. Zwar hat die Universität bereits seit ihrer Gründung 1409 "Kunst" in Auftrag gegeben, erworben oder geschenkt bekommen, jedoch erfolgte eine "Kunstverwaltung" mit der dazugehörigen Organisation erst zu Beginn der 1970er Jahre.

Verwaltung der Insignien in der Frühzeit der Universität

Zum kostbarsten Besitz der Universität gehören seit ihrer Gründung die Dokumente und Insignien, welche die Gesamtuniversität betrafen und unmittelbar mit dem Rektorenamt verbunden waren. Wertgegenstände wie die Statuten, Matrikeln, Zepter, Siegel, Ornat, wertvolles Trinkgerät oder Tapisserien wurden in kostbaren Truhen verwahrt. Die Verantwortung dafür trugen die "Clavigeri" (wörtlich "Keulenträger"), die bei Prozessionen die Zepter trugen und das Amt eines Schatzmeisters innehatten. Daneben besaßen aber auch die Kollegien, Nationen und Fakultäten wertvollen Eigenbesitz wie Statuten, fiskalische Bücher, wissenschaftliche Literatur und die Korporation repräsentierende Gegenstände. Diese wurden von den Kustodien verwaltet, denen die allgemeine Aufsichtspflicht über die Kollegien und Bursen oblag.

Im 17. Jahrhundert betrieb der Universitätsbibliothekar Joachim Feller (1628-1691) aufbauend auf älteren Beständen mit großem Geschick die Ausstattung der Paulinerbibliothek vor allem mit Portätgemälden, aber auch mit Naturalien. Auch unter seinen Nachfolgern wurden die Professoren angehalten, der Bibliothek ihr Bildnis zu stiften. Der Theologe Salomon Stepner publizierte 1675 die "Inscriptiones Lipsiensis, Leipzigische Lorbeer-Blätter...", ein Verzeichnis der Kunstwerke der Stadt Leipzig (allerdings beschränkt auf solche, die Inschriften tragen oder durch einen Beitext kenntlich gemacht sind) und gibt damit zugleich auch Aufschluss über die universtären Bestände, vor allem der Universitätskirche und der Kollegiengebäude.

Erstes Obergeschoß des Augusteums, Umgang der Wandelhalle mit Büsten, 1925

Auf dem Weg zu einer institutionalisierten Kunstpflege

Nach Aufhebung der Nationenstruktur 1830 war nun der akademische Senat für den universitätseigenen Kunstbesitz verantwortlich. Der Bau eines neuen Hauptgebäudes für die Landesuniversität, zu Ehren des 1827 verstorbenen Königs Friedrich August I. "Augusteum" genannt, sollte ein Denkmal und "Tempel der Wissenschaft" sein. Das Ausstattungskonzept sah für die Aula unter anderem Büsten von Personen vor, die sich um die Universität besonders verdient gemacht hatten. Die Ausstattung des Hauptgebäudes mit Kunstwerken stellte für die folgenden 100 Jahre eine wichtige Aufgabe dar, zu der eigens die sogenannte "Büstenkommission" berufen wurde. 1899 ließ der Senat eine Arbeitsgruppe mit dem offiziellen Titel "Kommission zur Aufsicht über die Kunstschätze der Universität" einrichten, die ein Inventar des Kunstbesitzes der Universität erstellen sowie nach Feststellung des Erhaltungszustandes der Kunstwerke geeignete Restaurierungs- und Schutzmaßnahmen prüfen sollte. Kompetenzrangeleien behinderten jedoch die Arbeit, so dass das erste Inventar der Gesamtuniversität erst ab 1913 von Felix Becker erarbeitet werden konnte. Der Zweite Weltkrieg sowie die Sprengung der Universitätskirche und der Abriss des Augusteums 1968 führten zur Vernichtung zahlreicher Kunstwerke. Durch die dritte Hochschulreform der DDR 1968 wurde die Universität umgestaltet, Fakultäten und Institute aufgelöst, Bibliotheken und Kunstbesitz zerstreut.

Die Entstehung der Kustodie

Anfang der 70er Jahre erkannte die Universitätsleitung die Notwendigkeit, die Stelle eines Kustos zu schaffen. Die Betreuung der Kunstwerke der Universität musste auf eine professionelle Basis gestellt und der Zerstreuung des Kunstbesitzes Einhalt geboten werden. Die Kunstwerke aus der geprengten Universitätskirche waren zunächst im Dimitroffmuseum (heute Bundesverwaltungsgericht) eingelagert und dann in ein Kirchendepot überführt worden. 1971 wurde Rainer Behrends vom Rektor als "Kustos der Kunstsammlungen" eingesetzt. Die Bezeichnung "Kustodie" ist ab 1977 nachweisbar, weitere feste Mitarbeiter konnten allerdings erst Anfang der 80er Jahre eingestellt werden. Um 1980/81 bezog die Kustodie die Magazin-, Sammlungs-, Büro- und Verwaltungsräume im Kroch-Haus.

Kunstausstellungen der Kustodie fanden ab 1974 zunächst im Foyer des Universitäts-Hochhauses statt. Seit 1979 wurde dann für zeitgenössische Kunst die "Galerie im Hörsaalbau" genutzt. Ab 1983 kam das Ausstellungszentrum Kroch-Haus hinzu, zunächst inhaltlich eher auf historische und universitätsgeschichtliche Ausstellungen ausgerichtet. Bis 2007 wurden insgesamt rund 100 Ausstellungen gezeigt. Ab 1995 entstanden im Rektoratsgebäudes in der Ritterstraße 26 im Kellergeschoss neue Magazinräume und im Erdgeschoss eine ständige Ausstellung für Hauptwerke des historischen Kunstbesitzes. Die "Studiensammlung" der Kustodie öffnete 1997 ihre Pforten für die Öffentlichkeit. 2002 übernahm Rudolf Hiller von Gaertringen die Leitung der Kustodie, der neben einer fortgesetzten Ausstellungstätigkeit den Schwerpunkt auf die Restaurierung der Kunstwerke aus der Universitätskirche legte.

Literatur: Rudolf Hiller von Gaertringen, Cornelia Junge, Simone Schulz, 'Art. Kustodie', in: Geschichte der Universität Leipzig 1409-2009, hrsg. v. Ulrich von Hehl, Uwe John, Manfred Rudersdorf, 5 Bde., Leipzig: Leipziger Universitätsverlag, 2008-2010, Bd. 4.2 Fakultäten, Institute, Zentrale Einrichtungen (2009), S. 1514--1541.


letzte Änderung: 23.07.2019 

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